13. Sep 2017
Korkwald
Das hier wiedergegebene Interview mit Lothar Zipse ist in der Sonderausgabe des Parketmagazins zum 30-Jährigen Jubiläum erschienen.

Ziro: Der Vertrieb von Korkprodukten ist aktiver Umweltschutz

Kork ist ein wunderbares, nur begrenzt verfügbares und kostbares Naturprodukt. Wir verstehen darunter die Rinde der Korkeiche, die regelmäßig geschält werden kann und immer wieder nachwächst, ohne dass der Baum davon Schaden nimmt. Alleine diese Tatsache unterstreicht schon den ökologischen Stellenwert dieses einmaligen Naturprodukts. Selbst im Vergleich zu dem perfekten Naturbaustoff Holz ist Kork einmalig. Im Gegensatz zur Gewinnung von Holzprodukten werden die Bäume nicht gefällt und können somit das umweltschädliche Treibhausgas Kohlendioxyd kontinuierlich speichern. Die Korkeichenwälder rings um das MIttlemeer binden circa 14. Mio Tonnen Kohlenstoffdioxyd pro Jahr.

"Die Talsohle ist erreicht, wir stehen am Beginn einer Kork-Renaissance." Lothar Zipse

Korkeichen haben aber noch zwei weitere, vielleicht noch wichtigere Funktionen. Zum einen binden sie mit ihren großen Baumkronen und ihren entsprechend großflächigen Verwurzelungen die Erdkrume und verhindern Bodenerosion und Versteppung bzw. Verwüstung ganzer Regionen. Die zweite große Gefahr für diese Gebiete sind die immmer wiederkehrenden und imer katastrophaler werdenden Waldbrände in den Eukalyptus- oder Pinien-Monokulturen. Korkeichen wiederstehen dem Feuer und können Waldbrände wirkunsvoll verhindern oder eindämmen.

Vorraussetzung zur Erhaltung der Korkwälder -oder noch besser von Neuanforstungen von Korkwäldern- ist allerdings, dass Korkprodukte nachgefragt werden und ihren wirtschaftlichen Wert behalten. Gelingt dies nicht, ist der Ersatz der Korkwälder durch schnell wachsende Eykalyptus- oder Pinien-Monokulturen zur Zellstoffgewinnung die zwingede Folge mit allen verheerenden ökologischen Auswirkungen.

Von zwei Seiten unter Druck

Diese Gefahr besteht tatsächlich, da Kork von zwei Seiten unter Druck steht. Zum einen wird das wirtschaftlich wichtigste Produkt, nämlich der Naturkorken als Weinflaschen-Verschluss zunehmend durch Schraubverschlüsse und Silikonstopfen ersetzt. Eine echte Verbrauchertäuschung ist, das die Silikonstopfen oft noch kunstvoll täuschend echt wirkender Korkfarbe mit gedruckten Jahresringen eingefärbt werden. Gott sein Dank ist dieser Trend bisher hauptsächlich auf Deutschland, Österreich und die Schweiz begrenzt. In anderen Ländern geht man den gegenteiligen Weg und setzt noch stärker auf die hochwertigen Korkstopfen. Ein hochwertiger Korkverschluss lässt den Wein in der Flasche reifen und macht ihn länger haltbar. Die Entkorkung der Flasche ist immer auch ein ästhetisches Ritual. Zu hoffen ist, das nicht das schlechte Besipiel der deutschscprachigen Länder, sondern Weinkultur sich durchsetzt. Wein und Kork sind eine Symbiose und stehen für Genuss und Lebensqualität.

Das zweitwichtigste Produkt in der Wertschöpfungskett von Kork sind Korkböden. Diese stehen, wie alle anderen Fußbodengattungen auch, unter dem Druck der boomenden Kunststoffböden, auch als LVT, Designvinyl, Designböden usw. bekannt. Diese Böden weisen tatsächlich viele positive technische Eigenschaften auf. Im Vergleich dazu müssen sich Korkböden allerdings keineswegs verstecken. In vielerlei Hinsicht sind Korkböden noch komfortabler, noch elastischer und barfußfreundlicher, noch energiesparender, noch schall- und wärmedämmender und noch pflegeleichter. Vom ökologischen Hintergrund und Ressourcenverbrauch ganz zu schweigen.

Technische Weiterentwicklung von Kork ist vielen Verbrauchern nicht bekannt

Wie wir aus vielfältigen Marktuntersuchungen wissen, hat Kork beim Verbraucher immer noch ein sehr positives Image. Das Produkt hat allerdings seinen exotischen Reiz verloren und wirkt für viele Verbraucher etwas bieder und angestaubt. Dies hängt sicherlich damit zusammen, dass die allermeisten Verbraucher die gewaltige technische Weiterentwicklung des Produkts nicht mitbekommen haben und die Optik von Pinnwänden und Dumpingpreisangeboten von Korkprodukten aus den Baumärkten vor Augen haben, wenn sie an Kork denken.

Dies ist natürlich zweimal fatal. Zum einen ist die technische Weiterentwicklung von Korkböden, insbesondere im Hinblick auf die Farbechtheit, auf die Strapazierfähigkeit, das Eindruckverhalten, Kratzempfindlichkeit usw. gewaltig und zum anderen sind die optischen Möglichkeiten und Oberflächenvariationen mittlerweile unendlich. Eine Vielzahl von Korkdekoren, Einfärbungen jeder Art und vor allen Dingen der Digitaldruck direkt auf Korkböden in jeder beliebigen Optik und jedem beliebigen Dekor, auch in kleinster Serie, erfüllen jeden Design-Anspruch.

Kork wird zunehmen als Design-Element entdeckt

Erfreulicherweise gibt es echte positive Ansätze. Design-Element. Jacken, Schuhe, Gürtel, Geldbörsen, Handtaschen, Möbel, Tapeten und Wandverkleidungen. Selbst Ikea legt eine Kork-Möbelkollektion auf. Bei Korkschuhen kann Kork alle positiven Eigenschaften ausspielen. Neben der Optik die Elastizität, die Fußwärme und die wohltuende Wirkung auf die Wirbelsäule. Wenn Kork schon die perfekte Schuheinlage ist, warum dann nicht als ganzer Fußboden, also als perfekter Barfuß-Boden?

Nachdem die Verkaufszahlen von Kork-Fußböden tatsächlich in den letzten zehn Jahren ständig rückläufig waren, glaube ich dass die Tahlsohle erreicht ist und wir am Beginn einer Kork-Renaissance stehen. Helfen könnte auch, dass viele der Nebenbei-Korkanbieter sich mittlerweile aus dem Geschäft ausgeklinkt haben und dass z.B. die Baumärkte, die das Produkt hauptsächlich als Werbelockvogel missbraucht haben, mittlerweile ihr Interesse verloren haben. Gerade diese Tatsache ermöglicht dem weitgehend guten Fachhandel neue Möglichkeiten, Korkprodukte hochwertig und mit gutem Ertrag zu vermarkten. Vorraussetzung dazu wären allerdings ansprechende Ausstellungen und Musterflächen. Diese sind bereits auf kleiner Fläche zu realisieren. Mindestens genauso wichtig sind Produktkenntnisse und die emotionale Bindung des Verkäufers an das Produkt. Sind diese Vorraussetzungen gegeben, werden Korkböden durchaus erfolgreich als das verkauft, was sie sind, nämlich exklusive Komfort-Fußböden für nahezu alle Einsatzbereiche.

Neue Anwendungsbereiche

Es werden sich aber auch andere Anwendungsbereiche entwickeln. Kork als Trittschalldämmung unter Fußböden, Kork-Wandbekleidungen und -tapeten, Kork als Dehnfugen, zur Schallabkopplung und als Schallabsorptionslösung usw. Nicht zuletzt Kork als hochwertiger Dämmstoff, als Dämmplatte oder als Schüttung.

"Marktuntersuchungen belegen, dass Kork beim Endverbraucher immer noch ein sehr positives Image hat." Lothar Zipse

Korkdämmungen sind atmungsaktiv, bieten sommerlichen Hitzschutz, eine überragende Dimensionsstabilität und Druckbelastbarkeit, perfekte Schalldämmung, behalten ihre Dämmwirkung auch bei Durchfeuchtung und haben ein ausgezeichnetes Brandschutzverhalten. Kork ist auch der einzige Dämmstoff im Markt ohne irgenwelche Bindemittel, Flammschutzmittel oder sonstige Zuschlagstoffe.

Der Deutsche Korkverband e.V. wird in den nächsten Monaten eine Kampagne starten, die sich positiv auf die Korknachfrage auswirken wird. Mein Unternehmen wird bei den Aktivitäten voraus gehen und den Fachhandel, der sich diesem Thema öffnen, oder wieder öffnen, möchte, großzügig unterstützen. Mit einem perfekten Naturprodukt profitable Geschäfte tätigen und damit auch aktiven Umweltschutz zu betreiben, sollte Argument genug zum Mitmachen sein.

Quelle: Weidt, Claudia: "Ziro: Der Vertrieb von Korkprodukten ist aktiver Umweltschutz", in: Parkettmagazin (2017), Nr. 5, S. 198-199.